2. Reisebericht: Rumänien
25. Juli - 4. August 2025
15 Jahre haben wir in Rumänien gelebt und gearbeitet, daher sind uns Land & Leute vertraut. Doch unsere Rumänienzeit endete vor über 10 Jahren und wir möchten schöne Erinnerungen an unsere ehemalige Wahlheimat auffrischen. Somit wird unsere Rumänientour kein klassischer Roadtrip zu den touristischen Highlights, sondern eine Reise in Gegenden die wir noch nicht so gut kennen und an Plätze die wir in besonders schöner Erinnerung haben.
Wir starten im äußersten Nordwesten des Landes, dem Maramures.
Das waldreiche Gebiet gilt als die ursprünglichste Region Rumäniens in der alte Traditionen und Handwerkskunst erhalten blieben. Sichtbares Zeichen sind die Holzkirchen und Klöster, aber auch die Holzhäuser und die kunsvtollen mächtigen Holztore vor den Häusern. Wir starten unsere Tour durch die Dörfer am "fröhlichen Friedhof" von Sapanta, wo der Verstorbenen mit netten und teils spöttischen Versen gedacht wird.
In Viseu des Sus wird nach wie vor der Holztransport aus dem Wassertal mit der vor 100 Jahren gebauten Schmalspurbahn bewerkstelligt. Seit einigen Jahren werden die alten Dampflokomotiven mit schweizerischer Unterstützung wieder zum Leben erweckt, neue (alte) Waggons angeschafft und für Gäste genutzt. Im Sommer fahren täglich mehrere Nostalgiezüge in das enge Tal. Die "Mocanita" gilt als die letzte aktive Waldeisenbahnlinie, auch wenn die Holzzüge heute mit Diesellokomotiven betrieben werden.
Durch herrliche Wälder fahren wir noch weiter ostwärts. Hier hat der starke Regen der letzten Tage teils schwere Schäden angerichtet, daher fällt unsere "Off road Etappe" in der Bucovina aus und wir bleiben auf den Straßen und drehen in Richtung Südwesten, nach Transsylvanien. Wir fahren abseits der Hauptstraßen - die Zeit hatten wir zu unserer "aktiven" Rumänienzeit nie - und bummeln über kleine Nebenstraßen durch gepflegte sächsische Dörfer und traumhafte Landschaft.
Unser Zwischenziel: das Valea Verde Retreat im Dorf Cund in Siebenbürgen.
Cund oder auch Reussdorf, ein kleines Dorf abseits von Trubel und Verkehr, wurde von deutschen, ungarischen und rumänischen Traditionen geprägt. Vor über 20 Jahren haben Ulrike & Jonas Schäfer einen ehemaligen sächsischen Bauernhof gekauft, Hobby zum Beruf gemacht und aus der alten Scheune ein Gourmetrestaurant geschaffen. Die Gäste übernachten in traditionellen Bauernhäusern im Dorf, die behutsam renoviert wurden. Wir kennen das "Valea Verde" seit seiner Anfangszeit und inzwischen ist aus dem kulinarischen Geheimtipp ein bekanntes Reiseziel für Feinschmecker geworden.
Wir lassen uns zwei Tage in dieser wunderbaren Umgebung verwöhnen und genießen die Gespräche mit den tollen Gastgebern und anderen Gästen.
Inzwischen wissen wir, dass wir bis Ende August reisen können, d.h. wir haben Zeit unsere Balkantour fortzusetzen. Albanien ist jetzt das Ziel, doch zuvor wollen wir noch einen Abstecher in den Südwesten Rumäniens machen, da wir diese Region aus unserer aktiven Motorsportzeit - wir haben 3 Jahre an der rumänischen Rallye-Meisterschaft teilgenommen - als wunderschön in Erinnerung haben.
Somit geht es weiter über kleine Nebenstraßen, ohne LKWs und nervige "Überholtwerden-Manöver", denn wir sind meistens am Anfang der Schlange, in Richtung Banat. In Siebenbürgen muss Heike an der Kirchenburg von Biertan/Birthälm noch einmal die steile Treppe hinaufsteigen, auch wenn wir diese als UNESCO Weltkulturerbe klassifizierte Wehrkirche schon oft besucht haben.
Die Region südöstlich von Timisoara/Temeschwar ist ehemaliges Bergbaugebiet, Anfang des 18. Jhdts. kam dann unter österreichisch-ungarischer Herrschaft ein industrieller Boom der über 200.000 Donauschwaben in die Region lockte und Resita wurde unter den Habsburgern zu einer der wichtigsten Industriestandorte Europas. Noch vor den Krupp-Werken wurden hier moderne Verhüttungstechnologien eingeführt. Davon zeugen heute noch riesige Industrieruinen in den schönen Tälern, die uns schon vor 20 Jahren faszinierten.
Einen letzten Übernachtungsstopp machen wir in Baile Herculane oder Herkulesbad, einem alten Bade- und Kurort aus der Römerzeit, wo der Legende nach Herkules seine Wunden nach dem Kampf mit der neunköpfigen Hydra pflegte. Der "moderne" Kurbetrieb begann in der Habsburgerzeit, doch die schönen barocken Kurgebäude erinnern eher an "lost places", da leider viele nach wie vor auf eine Restaurierung warten. Dennoch gibt es auch heute noch einen Kurbetrieb, denn die Hotels und Einrichtungen aus der kommunistischen Zeit wurden renoviert und sind beliebt bei den vielen einheimischen Gästen, die in den warmen schwefelhaltigen Quellen baden.





































































